DIE BURG UND DAS BURGGUT ZWEIFFELSTRUNDEN

Burg1 in Burg Zweiffel

Burg Zweiffel

Am Eingange der heutigen Ortschaft Herrenstrunden, die hier einst Unterstrunden genannt wurde, grüßt den Wanderer die malerisch anmutende Burg Zweiffelstrunden. Das kleine, für bergische Wasserburgen typische zweigeschossige Burghaus, an dessen
genaue Altersbestimmung sich eigentümlicherweise noch kein Forscher herangewagt hat, ist durch drei Fensterachsen gegliedert. Mit dem dicht angebauten, an der Ecke etwas vorspringenden, dreigeschossigcn Turm, der selbst noch eine Fensterachse dem Bau hinzufügt, gewährte es auch heute noch, obwohl die einstigen, allerdings nicht breit anzuschlagenden Wassergräben nebst der Zugbrücke bis auf den hinteren Weiher längst durch die moderne Landstraße verschwunden sind,
ein Bild behaglich behäbiger Wehrhaftigkeit. Es bekommt allerdings die bezeichnende Note erst durch die an niederbergische Kirchtürme gemahnende, geschweifte und beschieferte Haube mit einem Kugelaufsatz und einer reich mit Krabben aus Blei besetzten hohen Spitze. In ganz wundervoller Weise paßte sich früher dem
Ganzen auch das umfängliche, hochgezogene Walmdach des Hauses an. Im Gegensatz zu der kellerlosen Komturei hat Zweiffelstrunden unter der Burg wie unter dem Turm einen kleinen, gewölbten Keller.
Gewiß trägt dieses Burghaus seit langem und heute noch allgemein den Namen Zweiffeistrunden, aber eigentlich fälschlicherweise; denn das eigentliche Zweiffelstrunden, die alte untere Burg Strune, liegt oder lag gegenüber auf der Südseite der Straße und wird nur noch dem Kundigen klar erkenrnbar. Dort zeugen Reste der anderthalb Meter dicken Umfassungsmauern von der einstigen Größe und Bedeutung einer gewaltigen Burganlage. An vielen erhaltenen Teilen im Osten neben der Gastwirtschaft Eschbach, im Süden an der Bergseite mit dem großen, alten Herkenrather Tor
und im Westen talabwärts kann man den vollen Umfang klar erkennen. In dem nördlichen Torpfeiler wurden Tierknochen als Reste eines Bauopfers gefunden.
Der ehedem straßenwärts im Norden anschließende schützende Hausweiher ist dagegen längst verschwunden. Das Tor war einst nur für die Burg bestimmt, die selbst vermutlich aus einem befestigten Bauernhof hervorging und nun seit Jahrhunderten
wieder nur als Wirtschaftshof des neuerichteten Herrenhauses dient. Zu der Zeit nun, da die untere Burg Strune noch Herrensitz war lag nordöstlich nebenan ein längst untergegangener Wirtschaftshof. Hier ist nämlich ein ähnlicher Vorgang festzustellen wie in Oberstrunden Die Urkarte der Katasteraufnahme vom Jahre 1827 (Katasteramt Bensberg) zeigt an der Stelle, wo heute nebenan der Gasthof Eschbach steht, die Eintragung “Alte Hof” und weitt damit auf den ehemaligen Zustand hin. Tatsächlich befinden sich hier noch uralte Kellergewölbe unter neueren Bauten, die man bisher nicht zu erklären vermochte. Wann und wie dieser Hof unterging, wissen wir nicht. Es dürfte so gewesen sein, daß er nach dem Neubau der heutigen Burg nicht mehr nötig war und der Halbwinner zu dieser Zeit in die Reste des alten Herrenhauses zog.
Die von der Höhe niedersteigende Herkenrather Straße bog früher keineswegs durch das alte Tor ein, – sie hätte sich ja festgelaufen – sondern folgte ursprünglich der bergwärts gelegenen und dann der westlichen Mauer entang zu dem dicken Birnbaum am ehemaligen Badehaus, überquerte den Talgrund und stieg weirer als “holle Gaß” zum Igeler Hof und nach Romrnerscheid hinan.

Bild Geschlecht Zweiffelstruden

Auf diesem ersten Burghause saß vermutlich jenes Geschlecht der Strune, dessen frühester Vertreter uns mit dem Ritter Gorrfried von Strune bekannt wird, dessen Witwe und Söhne in einer Urkunde vom 29. April 1251 erscheinen. Dann begegnet
uns Gerlach de Strune 1294 als Urkundenzeuge. 1304 werden die Eheleure Richard und Agnes de Strune genannt. Jene Druda, die (nach Fahne) den Gerhard Scherffgin heiratete, offenbar einen Junker von dem nicht weit entfernten Haus Scherfen im Kirchspiel Odenthal, der (nach Fahne) im Jahre 1341 als Herr von Strunden auftritt, war vielleicht die Letzte der ritterbürtigen Familie von Strune.

Wahrscheinlich ebenfalls durch Heirat ging die Burg danach an die Familie von Zweiffel über. Den genauen Zeitpunkt vermögen wir noch nicht zu bestimmen; vielleicht war es bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Da taucht nämlich als erster Vertreter dieser von der linken Rheinseite stammenden und schon seit 1220 in der Kolumbapfarre zu Köln nachweisbaren Familie ein Gyse (Giesebrecht) vam Zwivell als Kellner von Bensberg und Besitzer des Mühlenhofs zu Gladbach auf, der ursprünglich im Verbande des Fronhofs dem Landesherrn gehörte. 1389 wird er als Amtmann von Miselohe genannt, 1411 machte er mit seiner Ehefrau Kunigunde
eine Stiftung für die Pfarrkirche St. Laurentius in Bergisch Gladbach. Seinen Sohn Johann von Zweiffel, Rentmeister der Amter Porz und Berenkopf (Bensberg), befreite Herzog Adolf VII. durch Urkunde vom 20. Mai 1419 in Anerkennung geleisteter
Dienste von allen Abgaben und Verpflichtungen für den Mühlenhof. Es ist wohl derselbe Johann von Zweiffel, der 1407 zu Wahn auftritt. Dessen Enkel, Albert von Zweiffel erscheint 1450 ebenfalls als Kellner von Bensberg. Das Amt hatte sich also in der Familie vererbt. Alberts Gattin Hanne von Dale besaß einen Zehnten zu
Isenburg bei Merheim.

Das Wappen derer von Zweiffel zeigt einen roten Hirsch im silbernen Felde. Vermutlich leitet die Familie ihre Herkunft von dem Dorfe Zweifall im Vichttale bei Aachen her, dessen älteste Form “Tzwivel”, mundartlich heute noch “Zwivel”, sich mit der frühesten Schreibweise des Geschlechternamens deckt und den Ort bezeichnet, wo zwei Bäche zusammenflossen oder -fielen. Der Name verband sich für alle Zeit mit der alten Burg zu Strunden, nicht zuletzt auch deshalb, um sie klar von dem eigentlichen Herrenstrunden zu Oberstrunden zu unterscheiden.

Am 17. August 1539 wurden Heinrich, Weyel und Johann vam Zwyvell, “gebroedere, zu der Heren Suunden”, zur Huldigung vor den neuen Herzog Wilhelm IV. nach Düsseldorf beschieden’.

Durch die bergischen Ritterzettel ist Heinrich von Zweiffel für das Jahr 1551 als Inhaber der landtagsfähigen Burg sicher nachgewiesen. Es ist derselbe “Zwyvell zur Strunden”, der seit 1542 der Kirche zu Herkenrath eine jährliche Abgabe von einem
Malter Hafer vorenthielt, worüber sich die Kirchmeister beim Send im Jahre 1550 öffentlich beklagten. Vielleicht hat dieser Streit mit veranlaßt, daß man 1555 zum Wiederaufbau der Ordenskapelle schritt.

Heinrich von Zweiffel zu Strunden betrieb eine Schleifmühle, Zwievels Schleifmüll” genannt, “unter dem Oberseiffen gleigen”. Die Hofschaft Obersiefen ist damit nicht gemeint. Vielmehr handelt es sich um ein Gefälle unterhalb des ehemaligen Gutes am Abbenseifen oder Nabbenseifen, der späteren Schnabelsmühle, zu Gladbach. Als nämlich diese Schleifmühle von dem Junker an den Kölner Bürger Adolf von Langenberg verkauft wurde, empfing dieser sie am Hofgericht des Fronhofs zu Gladbach als Lehen. Auch Beel von Gleuel und Merg von Lechenich, die danach Ansprüche an die Schleifmühle erhoben, wurden vor dem genannten Gericht befriedigt, und Anna von Essen, Adolf Witwe, ließ sich nach dessen Tode den Besitz am 11. Mai 1585 nach Lehnsrecht bestätigen.

Kurz vor 1555 muß Heinrich von Zweiffel gestorben sein; denn 1556 stifteten Hermann von Zweiffel und seine Gattin Katharina von Overheidt ein Fenster für die Kapelle,, das uns mit der Umschrift der Rundschreibe ihre Namen überlieferte. Die Tocher Maria von Zweiffel vermählte sich 1581 mit Konrad von Herbeck (Herzbach), der sich Herr von Strunden nannte. Nach einer Angabe Fahnes überließen sie im Jahre 1585 zwei Drittel des Gutes an Friedrich von Schaffhausen und übertrugen danach auch das restliche Drittel an Ludwig von Metternich, dem Amtmann on Miselohe, der als Gemahl der Maria von Steinen auch Inhaber des Hauses Scherfen war. 1587 war er bereits Herr von Strunden, und am 10.03.1592 nahm er an dem feierlichen Begräbnis des Herzogs Wilhelm IV. in Düsseldorf teil.

Das Paar verpfändete seinen Besitzanteil am 12.03.1594 an den Kölner Bürger und Ratsfreund Matthias Düsterloh (gewöhnlich Düsterloe). Dieser stammte aus Neuenrade (Nienrode) in der Mark und wurde dort um 1548 als Sohn des Bürgermeisters Jaspar Düsterloh geboren. Er erlernte bei dem Kaufmann Eberhard Jabach in der Schildergasse zu Köln, der seit 1578 Ratherr war, das “Buntwerker”-Handwerk, wurde dessen Vertrauter in Handelsgeschäften und begleitete Ihn auf Fahren nach Antwerpen, England (1588), rühmte er noch Düsterlohs Tüchtigkeit. So gab im die Witw Hilgen geb. Wickerode die Tochter Katharina zur Frau.